Neulich fiel mir so im Laufe des Tages ein, dass meine Freundin ja morgen Geburtstag hat.. Jeder, der ne Freundin hat weiß wie schön das Gefühl ist, noch exakt 35 Minuten zu haben, bis die Läden geschlossen sind und mit dem Wissen im Hinterkopf, dass der nächste Tag ein Sonntag ist, wollte ich also noch schnell noch was besorgen, um der peinlichen Situation aus dem Weg zu gehen, ihr einen Tankstellengutschein kaufen zu müssen...vorallem nachdem ich das schon die letzten 3 Jahre gemacht hab. Der Plan war ganz einfach: Parkplatz finden, Geschenk kaufen, nach Hause fahren. So schön – so gut. Ein Plan wäre kein Plan, wenn er nich schief gehen würde. Das beginnt schon beim Parken...wenn ich eins an diesem Tag gelernt habe, dann, dass in einem Parkhaus überall gefahren lauern. Beim Einfahren ins Parkhaus begegne ich schon Elend Nummer 1: Dem Alte
Der Alte ist ein allseits bekanntes Problem. Das Problem an ihm: er ist alt. Jeder normale Mensch fährt ins Parkhaus, hält an der Schranke und drückt auf den Knopf am Ticketautomaten um sein Ticket zu bekommen.
Dies ist für den Alten jedoch viel zu einfach. Er fährt nicht ins Parkhaus...nein nein, er rast mit einer Geschwindigkeit ins Parkhaus, dass sogar die Schnecken, die hinter ihm kriechen, hupen würden, wenn sie könnten. Das tun sie allerdings nicht, da sie bei unserem senilen Kollegen sowieso auf taube Ohren stoßen würden – im wahrsten Sinne des Wortes.
Als nächstes muss unser alter Freund seine Fahrbrille durch seine Lesebrille austauschen, da er ja sonst nicht erkennen kann, welchen Knopf er drücken muss, um das Ticket zu lösen. Gut, bei der gigantischen Auswahl von einem Knopf ist der Austausch der Sehhilfe natürlich dringend notwendig, aber nachdem auch dieser Kraftakt filigraner Körperbeherrschung gemeistert wäre, begibt sich unser Bewegungswunder auf die Suche nach dem heiligen Knopf für das Ticket. Die Suche dauert ungefähr so lange wie Uschi Glas braucht um sich morgens die Falten aus dem Gesicht zu schminken..., aber der Alte lässt sich nicht beirren und sucht weiterhin mit Adleraugen und seinen feinen Handwerkzeugen den Knopf zum Glück.
Da dies noch ein bisschen länger dauern könnte, entscheide ich mich aufs Klo zu gehen. Beim Aussteigen kann ich durch den Rückspiegel des Alten erkennen, wie er verzweifelt nach seinem Gebiss sucht, dass wahrscheinlich neben dem Gaspedal liegt, da sich das Auto rückartig gefährlich der Schranke nähert. Nichtsdestotrotz begebe ich mich nun aufs Klo um meine Notdurft zu verrichten. In Gedanken immernoch beim Alten betrete ich das WC und sehe schon die nächste Person, die mir heute den Tag verderben will:
Die Klofrau. Das Hobbit-ähnliche Wesen giert mit seinen affenartigen Krallen nach jedem Cent, den es bekommen kann. Eine Klofrau ist höchstwahrscheinlich ein Schwabe mit schottischem Migrationshintergrund...anders kann ich mir diese Mischung aus unfassbarem Ordnungfimmel und unmenschlichem Geiz nicht erklären. Ich krame in meinem Geldbeutel und entdecke lediglich 2 10 Cent Stücke, die ich dem Monster aber nur sehr ungern überreichen will. Also schaue ich dem Hobbit tief in die Augen und schätze ab, ob ich mit einem gezielten Handkantenschlag das Monster erlegen und anschließend durch einen 3-fachen Auerbachsalto mit 1 ½ facher Schraube das 5 Meter hohe, mit Stacheldraht gespickte, Drehkreuz überqueren kann, um in die heiligen Hallen des Urins vorzudringen.
Ich entscheide mich gegen diese Variante, da ich dem Hobbit alles zutraue und raffe mich dazu auf, dem Etwas meine 20 Cent zu reichen.
Es reagiert zuerst nicht. Dann sehe ich, wie es mit seinem schönsten Lächeln seine pechschwarzen Zähne zeigt und mit einer charmanten Stimme sagt: 1 EURO, SONST KEIN KLO!
Ich sage, ich hätte kein Kleingeld mehr, was die Klofrau mit einem eisernen Kopfschütteln zur Kenntnis nimmt. Ich schaue dem Monster nochmal tief in die Augen und überlege, ob ichs nicht wirklich mit dem Handkantenschlag versuchen soll, aber dann fällt mir ein, wie hartnäckig diese kleinen Biester sind und ich greife noch einmal in meinen Geldbeutel, zücke einen 20 Euro-Schein und überreiche ihn dem Monster. In Erwartung der 19 Euro Wechselgeld strecke ich der Frau meine Hand entgegen, das einzige was ich jedoch zurückbekomme ist wiederholt das wunderschöne Lächeln, diesmal mit der Bemerkung: KEIN WECHSELGELD! DANKE FÜR SCHEIN!
Ich rege mich schon gar nicht mehr auf über diese Art der Nächstenliebe und akzeptiere mein Pech...im Nachhinein bereue ich es, dass ich mich nicht für die Variante Handkantenschlag entschieden hab. Naja, was solls...nach einem befriedigendem Klogang verstopfe ich noch schön ein paar WCs und lass in jedem Waschbecken das Wasser laufen...die 20 Euro sollen sich ja auch gelohnt haben...auf jeden Fall wird das Geschenk für meine Freundin nun 20 Euro billiger...
Tiefenentspannt gehe ich zurück Richtung Auto und sehe, wie es der Alte endlich fertig gebracht hat, sich sein Ticket zu schnappen...Ein Timing wie ein Gott denke ich mir und blicke auf meine Uhr und sehe, dass ich noch genau 27 Minuten habe, um das Geschenk zu besorgen. Ich steige ins Auto, schnapp mir in Rekordzeit mein Ticket und fahre aufs erste Parkdeck mit dem charmanten Namen 4W.
Ich überlege zunächst wieso 4W, aber dann fällt mir auf, wofür diese Bezeichnung steht...4W heißt „for woman“. Ich bin natürlich auf dem Parkdeck gelanden, auf dem es nur Frauenparkplätze gibt...das mit Abstand nervigste im gesamten Parkhaus. Der Frauenparkplatz wurde wahrscheinlich vom Teufel selbst geschaffen um alle Männer auf diesem Planeten zu bestrafen...war ja auch klar. Von 17 Kameras überwacht und von 20 Meter hohen Stacheldraht umzäunt steht dieses Heiligtum feministischer Widerstandsbewegungen wie ein Fels in der Brandung. Da ich unter unmenschlichem Zeitdruck stehe und der Zweck bekanntlich die Mittel heiligt, nähere ich mich dem feindlichen Gebiet. Ich sehe ausschließlich VW Beatle und Smarts in pink und babyblau mit süüüüßen „Baby on Board“-Aufklebern auf den mit 5 mal 9 Meter relativ großzügigen Stellplätzen parken...gut, Frau braucht auch ein bisschen mehr Platz zum Einparken: Stichwort Größer ist Besser.
Ich fahre ganz vorsichtig auf die Männervernichtungsanlage und behalte immer die Drivers Lounge im Auge, in der sich die Fahrerinnen bei einem Glas Prosecco über die neusten Nagellackfarben unterhalten. Leider achte ich nicht auf den Männerauto-Alarm, den mein vor Testosteron nur so tropfende 12 Zylinder-Bolide auslöst und aus den eleganten Damen, die sich gegenseitig die Fingernägel lackieren, wird eine Horde aufgebrachter Weiber, die sich nichts anderes als Vergeltung für den Angriff auf die Weiblichkeit wünschen. Ich kann nicht ausschließen, meine Freundin erkannt zu haben, und in diesem Moment fällt mir meine eigentliche Mission wieder ein...Das Geschenk...gedanklich werden sicherheitshalber weitere 10 Euro fürs Geschenk abgezogen...das hat sie nun davon.
Währenddessen bauen die Damen mein Meisterwerk Stuttgarter Ingineurskunst in sekundenschnelle in ein nicht minder aerodynamisches Kabrio um und ehe ich mich versehe, steht mein Auto in Flammen und ich kann mich gerade noch so aus dem Wrack retten, bevor es mit einer spektakulären Explosion in die ewigen Jadggründe der Automobilindustrie eingeht.
Ich jedoch kann entkommen, renne aus dem Parkdeck und steige im Adrenalinrausch in das nächste Auto , das mit entgegen kommt. Ich schaue auf den Fahrersitz und wen entdecke ich? Richtig, den Alten., der es nun auch endlich mal geschafft hat, das nächste Parkdeck zu erreichen.
Bevor ich vor Lahmsucht sterbe, renne ich zu den Frauen zurück, da ich lieber durch eine Horde wildgewordener Feministinnen sterbe als durch Einschläferung eines senilen Mann. Die Meute erwartet mich freudig und ich werde mit gigantischen Tampons an eine in Kreuzform drapierte, überdimensionale Barbie genagelt.
Die anschließende Prosecco Party ist das letzte, an das ich mich als Erdenbewohner erinnern kann...Im Himmel stehe ich an der Himmelspforte und warte darauf, ins Paradies aufgenommen zu werden...wen überrascht es wer vor mir steht? Natürlich mal wieder Der Alte...Er lauert einfach überall!
Da ich mir nun die verbleibende Wartezeit bis zum Eintritt in das Himmelreich auf ca. 35 Jahre ausreche, entscheide ich mich nun endlich meinen Handkantenschlag mit 3-fachen Auerbachsalto und 1 ½ facher Schraube durchzuführen. Nach dem Motto: Schlimmer geht’s nimmer nehme ich Anlauf und vollführe in traumwandlerischer Sicherheit meine turnerische Meisterleistung. Ich blicke unter mir und sehe wie der Alte sein Ticket für den Himmel gelöst hat....der Himmel muss wohl seine eigenen Gesetze haben...oder einfach nur blindengerechte Ticketautomaten.
Während meiner 2. Umdrehung bemerke ich, dass es im Himmel keine Autos gibt...somit auch keine Frauenparkplätze...Klofrauen gibt’s auch keine, da die Biester mit 100%iger Sicherheit in die Hölle kommen. Jetzt hab ich nur noch Angst auf meine Freundin zu treffen...denn selbst der Tod ist für eine Frau keine Ausrede für ein vergessenes Geburtstagsgeschenk....
© by Abdallah Khazaleh 07/10
Donnerstag, 5. August 2010
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